Über 140.000 Besucher: IAA Transportation - das Resume
Mehr als 140.000 Besucher, knapp 1.600 Aussteller aus 46 Ländern und über 150 Weltpremieren und Neuheiten: Mit diesen Zahlen zieht der Verband der Automobilindustrie eine positive Bilanz der IAA Transportation 2026. Die internationale Beteiligung war nach Angaben des Veranstalters so hoch wie nie zuvor. Besonders stark vertreten waren Unternehmen aus China, der Türkei und Italien. Die Zahlen bestätigen Hannovers Bedeutung für die Nutzfahrzeugbranche. Sie brauchen dennoch eine nüchterne Einordnung. Nicht jede genannte Bestmarke betrifft die Besucherzahl, und nicht jede volle Halle belegt automatisch einen erfolgreichen Wandel im Transportmarkt.
Bei den Besucherzahlen liegt die Ausgabe 2026 knapp unter dem offiziell gemeldeten Wert der Vorgängermesse. Im Jahr 2024 kamen rund 145.000 Menschen in die Niedersächsiche Hauptstadt, damals etwa zehn Prozent mehr als 2022. Die aktuelle Angabe von mehr als 140.000 spricht daher für ein stabiles Niveau, aber nicht für einen neuen Besucherrekord. Im Gegenzug sank die Zahl der Aussteller von rund 1.700 im Jahr 2024 auf knapp 1.600. Dafür stieg die Zahl der vertretenen Länder von 41 auf 46. Das macht die Messe international breiter, auch wenn die Gesamtzahl der Unternehmen geringer ausfällt. Für eine Fachmesse ist ohnehin entscheidender, ob Betreiber, Einkäufer und technische Verantwortliche anreisen und konkrete Geschäfte anbahnen.
China, die Türkei und Italien stellte der VDA in seiner Schlussbilanz besonders heraus. Die starke chinesische Präsenz war in den Hallen nicht zu übersehen. Hersteller und Zulieferer zeigten komplette Fahrzeuge, Batterien, Achsen, Leistungselektronik und Ladetechnik. Viele dieser Unternehmen betrachten Europa nicht mehr nur als Absatzchance für einzelne Modelle. Sie investieren in Zulassungen, Vertrieb, Servicepartner und Ersatzteilversorgung. Für etablierte europäische Hersteller bedeutet die hohe Internationalität deshalb mehr als ein buntes Messebild. Hannover wird zum direkten Wettbewerb um Flottenkunden, Werkstattnetze und Margen. Die Besucherzahl allein erfasst diese Verschiebung nicht. Entscheidend ist, welche Kontakte nach der Messe zu Verträgen, Servicestützpunkten und tatsächlich zugelassenen Fahrzeugen führen. Das verändert auf Dauer auch die Kräfteverhältnisse im europäischen Nutzfahrzeuggeschäft.
Einen klaren Rekord meldet der Veranstalter bei den Testfahrten. 84 Fahrzeuge von 17 Ausstellern standen für eine abgesperrte Testrunde über das Messegelände bereit, insgesamt wurden 8.500 Fahrten gezählt. Im Jahr 2024 waren es mehr als 6.300 Testfahrten mit 60 Fahrzeugen. Damit stieg die praktische Nutzung deutlich. Das ist mehr als ein Rahmenprogramm, denn Nutzfahrzeugkunden beurteilen Einstieg, Sicht, Geräusch, Bedienung und Fahrverhalten nicht allein anhand eines Datenblatts. Allerdings ersetzt eine kurze Runde auf dem Messegelände keinen Flottentest. Reichweite unter Last, Ladeleistung, Werkstattaufenthalte und Verbrauch zeigen sich erst im Betrieb. Die hohe Nachfrage ist trotzdem ein wichtiges Signal: Das Publikum wollte die Transformation nicht nur ansehen, sondern selbst ausprobieren. Eigenes Erleben schafft bei neuen Antrieben zusätzliches Vertrauen.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller wertet die Messe als Beleg dafür, dass die Industrie Lösungen für einen klimaneutralen und digitalen Straßengüterverkehr liefert. Gleichzeitig fordert sie von Berlin und Brüssel schneller verfügbare Ladepunkte, Wasserstofftankstellen und leistungsfähige Energienetze. Diese Verbindung aus Erfolgsmeldung und politischer Forderung ist nachvollziehbar, aber auch strategisch. Die Hersteller zeigen marktreife Fahrzeuge und verweisen zugleich auf Bedingungen, die sie nicht selbst steuern. Mehr als 140.000 Besucher geben der Forderung Gewicht. Ob daraus ein erfolgreicher Markthochlauf entsteht, entscheiden jedoch Fuhrparks, Energiepreise und Infrastruktur. Die Messe hat Aufmerksamkeit geliefert. Nun müssen Fahrzeuge im Alltag wirtschaftlich fahren und die angekündigten Netze tatsächlich entstehen. Die eigentliche Bilanz beginnt deshalb erst nach dem Ende der Messe.
Robbin